2014 Effektivität von Wasserfallen

Effektivität von Wasserfallen zur Erfasssung


Pagel, Janina (2014):
Effektivität von Wasserfallen zur Erfassung von Molchen in Duisburger Gewässern. – Masterarbeit Hochschule Bremen, Internationaler Studiengang Technische und Angewandte Biologie.

Während der vergangenen Jahrzehnte wurde für die Erfassung von Amphibien eine Vielzahl an Wasserfallen entwickelt, deren Einsatz vor allem im Falle der Monitoringprogramme der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) immer wichtiger wird.

Im Rahmen dieser Masterthesis wurden, in der Zeit vom 01.04.2014 bis 15.05.2014, in drei Gewässern in Duisburg, Nordrhein-Westfalen, fünf ausgewählte Typen von Wasserfallen ausgelegt. Eingesetzt wurden unbeleuchtete Eimerreusen, mit Knicklichtern beleuchtete Eimerreusen, Flaschenreusen, Unterwasserflaschenreusen und der neue Typ Beutelfallen (von Dewsbury). Die Wasserfallen wurden auf ihre Effektivität bezüglich ihrer Fangleistung von Wassermolchen getestet und die Ergebnisse miteinander verglichen. Zwei Experimente wurden durchgeführt. Das Experiment 1 wurde durchgeführt, um abschätzen zu können, wie viele Molche den verschiedenen Fallentypen entkommen können. Experiment 2 stellte die Freilanduntersuchungen nach.

Die Untersuchungen erfolgten unter besonderer Berücksichtigung des Kammmolches (Triturus cristatus), der in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie aufgeführt ist. Demnach sind dessen Habitate europaweit durch Schutzgebiete im Rahmen des NATURA 2000-Netzes zu schützen. Neben den gefangenen Kammmolchen (n = 767) wurde auch der Teichmolch (Lissotriton vulgaris) (n = 5.963) an allen drei Gewässern gefangen, der Bergmolch (Mesotriton alpestris) (n = 6) nur an einem. Am häufigsten wurden einzelne Molche (15,9 %) oder geringe Anzahlen an Molchen gefangen.

Die Flaschenreuse erzielte die höchste Aktivitätsdichte (210,9 Molche/100 Reusenöffnungen), obwohl ihre Fangleistung an zwei Gewässern, wahrscheinlich aufgrund sinkender Wasserstände, sehr gering war. Bezogen auf den Kammmolch erzielten die beiden Eimerreusen die höchste Aktivitätsdichte. Es fehlten jedoch vergleichbare Daten bezüglich der Beutelfalle, da diese erst vor wenigen Jahren entwickelt und noch nicht ausreichend getestet wurde. Sie kann jedoch anhand der vorliegenden Untersuchungen für den quantitativen Nachweis von Kamm- und Teichmolchen empfohlen werden. In jeden Fall ergänzt sie die beiden anderen Fallentypen hervorragend.

aus Pagel (2014)

Abb. 28: Kastendiagramm (Box-Whisker-Plot) der Molchfänge je Fangnacht und Falle, zusammengefasst für alle Gewässer. Der Kasten entspricht den mittleren 50 % der Daten, die Grenze zwischen dem grünen und blauen Bereich dem Median. Der Bereich innerhalb der Antennen entspricht den mittleren 95 % der Daten. Die roten Kreuze markieren die Ausreißer. Mit dargestellt wird das Ergebnis des H-Tests (P < 0,001*** = hoch signifikant). Eu = Eimerreuse unbeleuchtet, Eb = Eimerreuse beleuchtet, F = Flaschenreuse, U = Unterwasserflaschenreuse, B = Beutelfalle.

Um die Beutelfalle, deren äußere Reusenöffnung eine andere Form und Flächengröße (72,0 qcm) hat als die der anderen Fallentypen (56,7 qcm), mit den anderen Fallentypen direkt vergleichen zu können, wurde die Anzahl gefangener Molche auf einen Quadratzentimeter umgerechnet. Demnach erzielte die Beutelfalle die höchste Fangleistung (6,3 Molche/qcm je 100 Reusenöffnungen), auch in Bezug auf den Kammmolch (0,82 Kammmolche/qcm je 100 Reusenöffnungen). Die Ergebnisse der Experiments 2 bestätigten die Ergebnisse der Freilanduntersuchungen.

Zum besseren Vergleich mit Eimer- und Flaschenreusen wäre es möglich die Reusenöffnung dahingehend zu verändern, auch hier abgesägte Köpfe von 1,5 Liter Mehrweg-PET-Flaschen einzusetzen.

Experiment 1 zeigte, dass wie zu erwarten nur ein geringer Teil der Molche den Fallen entkommt. Dabei korreliert die Rate entwichener Molche tendenziell mit dem Volumen der Fallen. Am besten schnitt bei diesem Experiment die Beutefalle ab. Dennoch war die Stichprobe zu gering um eindeutige Aussagen treffen zu können. Es ist empfehlenswert das Experiment mit einem größeren Stichprobenumfang und einer größeren Anzahl an Molchen zu wiederholen.

In keinem Fall ergaben sich signifikante Unterschiede zwischen unbeleuchteter und beleuchteter Eimerreuse. Es gibt aber widersprüchliche Aussagen zur Effektivität beleuchteter Fallen beim Molchfang. Aufgrund dessen sind weitere und längerfristige Studien empfehlenswert. Dabei sollten weiterhin verschiedene Lichtquellen mit unterschiedlichen Lichtstärken eingesetzt werden, um in Zukunft eindeutigere Aussagen über die Effektivität von Lichtquellen bei der Erfassung von Molchen bzw. Amphibien treffen zu können.

Es fehlen weiterhin Daten für den Fang von Berg- und Fadenmolchen. Weitere Untersuchungen sind daher notwendig.

Die Kammmolche wurden mittels Fotos der ventralen Bauchmuster als 567 Individuen identifiziert. Das Geschlechterverhältnis lag zwischen 4,8:1 und 1,3:1, an allen Gewässern zugunsten der Männchen. Mittels der Jolly-Seber-Methode wurden die Populationsgrößen der Kammmolche geschätzt. Diese lagen im Durchschnitt zwischen 64 und 720 Individuen, mit stark schwankenden Konfidenzintervallen. Die Fangergebnisse spiegeln in großen Teilen die präferierten Mikrohabitate der Molcharten und Geschlechter wider und sind mit Daten anderer Autoren vergleichbar.

Die Kammmolchpopulationen der drei untersuchten Gewässer sollten in Zukunft regelmäßig untersucht werden. Die erfassten Daten bilden dafür eine gute Grundlage. Für das Gewässer „Baerl“ muss über konkrete Schutzmaßnahmen nachgedacht werden. Es unterliegt derzeit, im Gegensatz zu den anderen Gewässern, die sich innerhalb des Naturschutzgebietes Holtumer Höfe befinden, keinem Schutzstatus.

Betreuer in der BSWR: Martin Schlüpmann

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