2010 Räumlich-zeitliche Verteilung von Amphibien

Verteilungsmuster von Molchen und Amphibienlarven


Bliesener, Julia (2010):
Zeit- und räumliches Verteilungsmuster von Molchen und Amphibienlarven in einigen ausgewählten stehenden Gewässern. – Diplomarbeit, Universität Düsseldorf, Fachbereich Biologie.

Zusammenfassung

Wasserfallen-Konstruktion

Julia Bliesener

In fünf Gewässern wurde das Vorkommen und die Vergesellschaftung von Amphibien aufgenommen. Dabei wurden insbesondere das zeitliche Auftreten und die räumliche Verteilung im Gewässer sowohl von den adulten Amphibien als auch von den Amphibienlarven untersucht.
Die Untersuchung der Gewässer erfolgte in einem Zeitraum von 23 Wochen und begann mit der Sichtbeobachtung von adulten Frühziehern und deren Laich offiziell in der 12. Kalenderwoche (22.-28.03.). Ab der 13. Kalenderwoche (29.03.-04.04.) bis zur 35. Kalenderwoche (30.08.-05.09.) wurden, zunächst im 4-Wochen-Rhythmus und nachher im 3-Wochen-Rhythmus, zwei verschiedene Arten von selbstgebauten Wasserfallen in den Gewässern ausgebracht. Der eine Fallentyp wurde ausschließlich im Uferbereich, der andere, je nach Gewässer, in unterschiedlichen Wassertiefen – an der Wasseroberfläche und 75, 60, 45, 30, 15 cm über dem Gewässergrund – in der offenen Wasserfläche, ausgelegt.
Im halbschattig gelegenen, vegetationsreicheren Wiesen-Kleinweiher konnte ein Vorkommen von Berg-, Teich-, Faden- und Kammmolchen festgestellt werden. Im schattigen, vegetationslosen Bombentrichter waren die drei Schwanzlurcharten, Berg-, Teich- und Fadenmolch miteinander vergesellschaftet. In der teilweise schattig und teilweise sonnenexponierten, überwiegend vegetationsreichen Bergsenkung Grafenbusch konnte ein Vorkommen von Berg-, Teich- und Kammmolchen erfasst werden. Im überwiegend sonnenexponierten, vegetationsreichen Neuen Gewässer konnten die meisten Amphibienarten verzeichnet werden. Hier konnten sowohl ein vereinzeltes Vorkommen von Feuersalamander und Kammmolch, als auch ein relativ großes Vorkommen von Erdkröten und Grasfröschen, festgestellt werden. Weiterhin wurden Berg-, Teich- und Fadenmolche erfasst, sowie Teichfrösche und andere Wasserfrösche. Im extrem sauren Torfmoos-Gewässer konnten Erdkröten und Grasfrösche sowie ein vereinzeltes Vorkommen von Berg-, Teich-, Faden- und Kammmolch verzeichnet werden. Der Laich der Froschlurche konnte sich aufgrund der niedrigen pH-Werte nicht entwickeln. Die Bestände aller Arten waren hier trotz optimaler Strukturen extrem klein.
Die adulten Erdkröten und Grasfrösche konnten in der Zeit vom 18.-30.03. beobachtet werden. Die ersten Larven dieser beiden Arten wurden in der 16. (19.-25.04.) und letztmalig in der 26. Kalenderwoche (28.06.-04.07.) verzeichnet.
Adulte Wasserfrösche verteilten sich in der Zeit vom 25.03.-02.09. mit einem deutlichen Nachweisschwerpunkt im späten Frühling und Sommer. Wasserfrosch-Larven konnten von der 29. (19.-25.07.) bis zur 35. Kalenderwoche (30.08.-05.09.) nachgewiesen werden.
Adulte Berg-, Teich- und Kammmolche wurden erstmalig in der 13. (29.03.-04.04.) und Fadenmolche in der 14. Kalenderwoche (05.-11.04.) gefangen. Die letzten Fadenmolche wurden in der 28. (12.-18.07.), Bergmolche in der 29. (19.-25.07.), Kammmolche in der 33. (16.-22.08.) und Teichmolche in der 34. Kalenderwoche (23.-29.08.) verzeichnet. Bei allen vier Arten konnten zu Beginn der Untersuchung quantitativ mehr Männchen gefangen werden. Die Weibchen blieben dagegen länger als die Männchen im Gewässer.
Die Larven der Teich-/Fadenmolche traten in der 23. (07.-13.06.) bis zur 35. Kalenderwoche (30.08.-05.09.) im Gewässer auf, die Bergmolch-Larven von der 24. (14.-20.06.) bis ebenfalls zur 35. Kalenderwoche.
Bei der räumlichen Verteilung konnte für die adulten Erdkröten eine Präferenz für den Uferbereich, der geprägt war durch Röhricht und Unterwasservegetation, festgestellt werden. Die Larven hingegen verteilten sich über alle Gewässerbereiche und alle Wassertiefen.
Die adulten Grasfrösche suchten ebenfalls bevorzugt die seichteren Wasserbereiche am Ufer mit Unterwasservegetation auf. Die Larven fanden sich in allen Gewässerbereichen mit einer leichten Tendenz zum Ufer. Sie wurden in allen Wassertiefen, nur nicht 75 cm über dem Gewässergrund, gefangen.
Die adulten Wasserfrösche hielten sich bevorzugt an der Wasseroberfläche auf. Bei den Larven konnte eine Präferenz für die Uferbereiche und den Bereich 15 cm über dem Gewässergrund festgestellt werden.
Die adulten Bergmolch-, Teichmolch-, Fadenmolch- und Kammmolch-Männchen bevorzugten die Bereiche nahe am Gewässergrund. Die Weibchen der vier Arten hingegen konnten öfter am Ufer gefangen werden. Einzige Ausnahme war der Teichmolch. Sowohl Männchen als auch einige Weibchen dieser Art wurden vermehrt auch in den anderen Bereichen des Wasserkörpers – an der Wasseroberfläche, 75, 60, 45 und 30 cm über dem Grund – erfasst. Die Larven der Bergmolche und Teich-/ Fadenmolche fanden sich überwiegend in den Fallen im Uferbereich und 15 cm über dem Gewässergrund.
Die Nischenbreiten für die Schwanzlurch-Arten lagen bezüglich der Ressourcen Zeit, Standort und Wassertiefe für alle vier Arten relativ nah beieinander und es konnten deutliche Nischenüberlappungen errechnet werden.
Ähnliches konnte für die Larven der Molcharten festgestellt werden. Im Bombentrichter lag für die Ressource Wassertiefe sogar eine identische Nischennutzung der Bergmolch- und Teich-/Fadenmolch-Larven vor. Vergleiche der Molchlarven mit den Wasserfrosch-Larven im Neuen Gewässer ergaben nur für die Ressourcen Zeit und Wassertiefe Annäherungen. Ein geringer Grad der gemeinsamen Nutzung lag für die Ressource Standort vor.Auch die Nutzung der Ressourcen Zeit, Standort und Wassertiefe durch die Erdkröten- und Grasfrosch-Larven zeigten deutliche Überschneidungen der beiden Arten.

Schlagworte: Molche, Amphibienlarven, Kleingewässer, räumliche Verteilung, zeitliche Verteilung, Einnischung

Räumliche Verteilung der Larven

Abb. 73: Räumliche Verteilung der Larven des Bergmolches, der Teich-/Fadenmolche und des Wasserfrosch-Komplexes auf die unterschiedlichen Wassertiefen im Neuen Gewässer (WO = Wasseroberfläche, cm-Angaben: Abstand der Falle vom Gewässergrund).

Betreuer in der BSWR: Martin Schlüpmann

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