Startseite AktuellesVeranstaltungenProjekteFlora & FaunaService für Siewir über uns

>>> Flora & Fauna

Flora

Fauna

Fundmeldungen

Klimawandel

Heuschrecken

Hirsch-/Nashornkäfer

Libellen

Artensteckbriefe

Süßwassermedusen

Wanderfalke

Weberknecht

Wildgänse am Rhein



Textversion
Impressum&Kontakt
Am 05.09.2003 wurden von den Mitarbeitern der BSWR im Haubachsee in Duisburg 2 Exemplare der sehr seltenen Süßwassermedusen (Craspedacusta sowerbyi) beobachtet.
Die Süßwassermeduse oder -qualle ist die einzige Qualle des Süßwassers in Mitteleuropa. Die schirmartig geformten, durchscheinenden Medusen haben zu Beginn ihrer Entwicklung nur 8 Fangarme, doch nimmt die Anzahl der nesselbesetzten Tentakeln mit zunehmender Größe rasch auf mehr als 500 zu. Die Tiere werden bis zu ca. 2-2,5 cm groß. Die beiden von uns gesichteten Tiere hatten eine entsprechende Größe (Siehe auch Foto). Süßwasserquallen haben einen Wassergehalt von 93 % und sind damit die wasserreichsten bekannten Tiere. Auffallend ist der zentral nach unten gerichtete Magenstiel der in 4 Mundlappen ausläuft. Unter der Schirmglocke sind weiterhin die Ovarien oder Hoden erkennbar.
 
Die auffällige Meduse ist die Geschlechtsform eines nur 0,5-2 mm großen tentakellosen, sehr unauffälligen Polypen, der ursprünglich als eigene Art (Microhydra ryderi) beschrieben wurde. Die Polypen, die als Einzeltiere oder kleine Stöckchen den Gewässergrund besiedeln, besitzen eine klebrige Oberfläche und sind daher mit Substrat getarnt. Sie leben im und auf dem Grund der Gewässer und ernähren sich von Nematoden, Oligochaeten, Rotatorien und Kleinkrebsen.  

Die Polypen vermehren sich durch einfache Querteilung und/oder durch Abschnürung von Gewebeteilen (Frusteln). Die Medusen entstehen ebenfalls auf ungeschlechtliche Weise durch Knospung aus den Polypen. Die Medusen selber vermehren sich geschlechtlich, wobei hieraus wieder die Polypen hervorgehen (Generationswechsel). Allerdings wurden in Mitteleuropa bislang nur weibliche Tiere beobachtet, so dass hier die geschlechtliche Vermehrung wohl weitgehend ausfällt.
Die Medusen ruhen vorwiegend am Grund, steigen aber bei sonnigem Wetter bis zur Wasseroberfläche. Sie leben von planktischen Kleinkrebsen, Rädertierchen und Einzellern und können bei gelegentlichem massenhaften Auftreten auch die Zusammensetzung des Planktons beeinflussen.
Die Süßwassermeduse lebt in stehenden und langsam fließenden Gewässern. Die Art stammt aus Ostasien. In Europa wurde sie vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts mit Pflanzen eingeschleppt (erste Nachweise in England) und wurde zuerst in Tropenhäusern und Aquarien beobachtet. Der erste Nachweis aus Deutschland gelang 1933 im Botanischen Garten in Frankfurt am Main. Sie ist heute kosmopolitisch verbreitet. In Mitteleuropa tritt sie bislang nur sporadisch, manchmal aber auch in größerer Anzahl auf. Inwieweit die Vorkommen beständig sind scheint aus der Literatur nicht hervorzugehen. Offensichtlich besteht bei der Art eine Bindung an wärmeres, aber auch sauerstoffreiches Wasser. Die meisten Funde wurden in planktonreichen Baggerseen der großen Talauen gemacht.
Der erste Nachweis aus Westfalen stammt aus Bocholt, wo die Art 1955 erstmals beobachtet wurde (Heinrichs 1958). Nach einer Zusammenstellung von Tappenbeck (2003) wurden im Jahr 2002 7 Vorkommen in Nordrhein-Westfalen bekannt. Außerdem nennt derselbe Autor an anderer Stelle ein weiteres Vorkommen bei Radevormwald. Weitere Nachweise werden von Jankowski & Ratte (1999) sowie von Mathä (2002) genannt, so dass zusammen ca. 10 aktuelle Vorkommen (seit 1995) bekannt geworden sind. Bis in die 80er Jahre waren nur 3 Vorkommen bekannt geworden, darunter allerdings 2 in unserem Vereinsgebiet (Sechs-Seen-Platte in Duisburg und Rhein-Herne-Kanal). Das Vorkommen im Haubachsee, der zur Sechs-Seen-Platte zählt, ist eine Neubestätigung eines seit längerem bekannten Vorkommens. Auch eines der 2002 gefunden Vorkommen liegt in Duisburg (Alte Schachtanlage in Homburg), ein weiters angrenzend im Schleiensee bei Moers.

Weitere Nachweise in der Region