Sie sind hier: Startseite » Fauna » Vögel » Kiebitz

Kiebitz

Synchronzählung der Kiebitze 2017

Brütender Kiebitz

mit Partner im Hintergrund

Kiebitze im Westlichen Ruhrgebiet 2017 – weitere starke Abnahme der Gesamtbestände –

Eine Synchronzählung der Kiebitze im westlichen Ruhrgebiet vor drei Jahren hatte eine starke Abnahme der Bestände gezeigt. Seit der zweiten Hälfte der 2000er Jahre waren die Brutpaarzahlen auf rund ein Drittel gefallen. Da sich nun, vor allem in Duisburg, ein beschleunigter Rückgang andeutete, hat die BSWR Ende März kurzfristig alle Ornithologen im westlichen Ruhrgebiet aufgerufen, in der ersten April-Dekade die aktuellen Kiebitzbestände zu erfassen. Dabei wurden überwiegend nur die bekannten, ehemaligen oder sonst lohnenden Gebiete kontrolliert, so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass vereinzelte Ansiedlungen übersehen wurden. Es wurden alle Kiebitze gezählt und auch dort, wo keine Hinweise auf ein Brutgeschehen zu erkennen waren, Paare oder einzelne Männchen als Paar gewertet. Diese progressive Bewertung ist der Tatsache geschuldet, dass bei einer einmaligen Zählung, wie sie auf einem Großteil der Flächen nur stattgefunden hat, Nester und brütende Weibchen leicht übersehen werden.
Es hat sich wieder eine Vielzahl von Ehrenamtlichen an der Zählung beteiligt. Da die Datensammlung jedoch noch nicht ganz abschlossen ist, wird vorerst nur eine vorläufige Karte präsentiert.
Das Bild stellt sich in den einzelnen Städten unterschiedlich dar. Der Norden von Essen, der Süden von Bottrop und der Süden von Duisburg haben die Art seit 2014 vollständig verloren. Im Osten von Essen (Leithe) konnte ein Kiebitz beobachtet werden, wobei unklar ist, ob es sich tatsächlich um eine Wiederansiedlung handelt oder um eine Zufallsbeobachtung.
In Mülheim an der Ruhr waren auf dem einzigen verbliebenen Brutplatz im Ruhrbogen noch vier statt vor drei Jahren sechs Paare anzutreffen. In Oberhausen, wo auch in den Vorjahren eine nutzungsbedingte Fluktuation zwischen einzelnen Brutgebieten zu beobachten war, konnten wieder zwei Paare kartiert werden. Der Duisburger Norden, 2014 noch Schwerpunkt der Kiebitzverbreitung, hat innerhalb dieser drei Jahre nochmals drei Viertel seines Bestandes verloren.
Einzig positiv fällt der Bottroper Norden (Kirchhellen) aus dem Trend. Hier konnten deutlich mehr Kiebitzpaare gezählt werden als 2014. Dabei beruht ein Teil der Zunahme aber vermutlich auf einer detaillierteren Erfassung von einzelnen Flächen mit hohem Besatz, der bei der Gesamtzählung unterzählt worden war. Allein auf einer Ackerbrache am Rand eines Baugebiets konnten zehn Paare mit Nestern ermittelt werden (s. Foto). Da dies aber kurzfristig Bauerwartungsland ist, muss dieser Brutplatz für die kommenden Jahren als nicht gesichert angesehen werden. Weitere neun Paare, überwiegend mit Nest oder bereits Jungvögeln, brüteten auf einem Acker, dessen Bewirtschaftung „in letzter Minute“ aufgeschoben werden konnte.
Im Vergleich zu den Zahlen von vor rund zehn Jahren ist in der Summe für das gesamte Westliche Ruhrgebiet eine Abnahme auf ein Fünftel zu verzeichnen, mit einer Schwankungsbreite zwischen den Städten von 6 % bis 67 %. Die Karte stellt die aktuell erfassten Kiebitze dar, zusammengefasst als Brutpaare, die aufgrund der Beobachtungen maximal für die Flächen anzunehmen sind. Auf einzelnen Flächen muss leider davon ausgegangen werden, dass auch von diesen nur ein kleiner Teil überhaupt ein Nest angelegt hat und ein noch kleinerer Teil es auch erfolgreich ausbrüten kann.

Kiebitz-Synchronzählung 2017

Synchronzählung der Kiebitze 2014

Kiebitz

im westlichen Ruhrgebebiet

Die Brutbestände des Kiebitz nehmen landesweit in den letzten Jahren besorgniserregend ab. Um die Abnahme und die verbliebenen Bestände besser beziffern zu können, werden in diesem Jahr landesweit auf 130 Probeflächen die Kiebitze erfasst. Einige Kreise / Städte führen zudem flächendeckende Synchron-Erfassungen durch, um vollständige und punktgenaue Daten zu erhalten sowie die Hochrechnungen zu unterstützen. Diese Synchronzählung fand im Westlichen Ruhrgebiet am Wochenende vom 05. bis 07.04. und einige Tage zuvor statt. Mit einer Beteiligung von 33 überwiegend ehrenamtlichen Kartierern konnten die gesamten Stadtgebiete von Bottrop, Duisburg, Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen abgedeckt werden.
Die Karte stellt die möglichst nah am Stichtag gezählten Individuenzahlen dar. Stellenweise waren wenige Tage zuvor noch höhere Anzahlen beobachtet worden, die aber (aufgrund von Bodenbearbeitung) die Flächen verlassen haben.
Alle Beobachtungen wurden mit Angaben zum Verhalten und nach Möglichkeit zum Geschlecht versehen. Als minimale Anzahlen von Brutpaare werden hierbei diejenigen gewertet, die brütend, als Paar oder intensiv balzend oder warnend beobachtet wurden. Da bei der einmaligen Zählung leicht die Partner übersehen werden können, ist anzunehmen, dass auch einzelne Männchen tatsächlich Brutpaare repräsentieren. In der Annahme, dass Einzelvögel, meist Männchen, ein versteckt brütendes Weibchen haben oder bei der Bodenbearbeitung der letzten Tage gerade erst ihr Nest verloren haben, werden diese als oberer Wert der Spanne hinzugerechnet. Lediglich größere rastende Trupps wären nicht mitgerechnet worden, wenn sie aufgetreten wären.
Da noch zu einigen Angaben Rückfragen beantwortet werden müssen, sind diese Zahlen, insbesondere die Gruppierung zu Brutpaaren, als vorläufig anzusehen.

Kiebitz-Synchronzählung 2014

  Individuen Brutpaare
Bottrop 41 15-25
Duisburg 61 32-35
Essen 12 6
Müheim an der Ruhr 9 4-6
Oberhausen 4 2
Gesamt 127 59-74

Die Beobachtungen zeigen auch für das westliche Ruhrgebiet eine drastische Abnahme, teils um über die Hälfte in weniger als 10 Jahren. Ein genauer Vergleich mit älteren Daten ist in Kürze geplant. Dabei wurden zum einen viele Bereiche von der Art großflächig verlassen, wie z.B. der Süden von Essen und Mülheim. Zum anderen nahm die Anzahl der Paare in den noch besiedelten Gebieten stark ab, z.B. im Duisburger und Bottroper Norden.
Die Mehrzahl der Bruten fand auf Ackerflächen statt: Maisstoppel, frisch gepflügte/gegrubberte Äcker und Wintergetreide. Auf den Stoppelflächen ist mit einem baldigen Umbruch zu rechnen, so dass die Erstgelege vielfach verloren gehen, die Kiebitze also auf ein Zweitgelege angewiesen sind. Nur in der Rheinaue Walsum brüten Kiebitze noch im Grünland. Ein im Ballungsraum inzwischen nicht unbedeutender Teil der Brutpaare fand sich auf Industrie- und Gewerbebrachen, wo teils sehr gute Habitatbedingungen herrschen. Die Mehrzahl dieser Flächen ist allerdings nur für ein paar Jahre nutzbar, bevor sie durch Bebauung oder Verbuschung als Brutplätze verloren gehen.

Beteiligte Kartierer:
Dietmar Beckmann, Willi Bernok, Elke Brandt, Thomas Brüseke, Manfred und Marianne Busse, Klaus-Jürgen Conze, Ivonne und Jörg David, Ulrike Eitner, Silke Hingmann, Uwe van Hoorn, Veronika Huisman-Fiegen, Thorsten Jaworek, Wilhelm Klawon, Patrick Kretz, Randolph Kricke, Horst Kristan, Kees Koffijberg, Christine Kowallik, Johannes Meßer, Reinhard Plath, Ekkehard und Maria Psotta, Tobias Rautenberg, Otto Rustenbach, Julian Sattler, Ilse Tannigel, Maren Thomas, Michael Tomec, Katrin Unseld, Renate Vogt und Josef Werner.

Kiebitz

Kiebitz

Jahresberichte der BSWR
Jahresberichte der BSWR

Jahresb. 2015 Kap. 11.5 S. 106-107 pdf ... [13.868 KB]
Jahresb. 2014 Kap. 11.2 S. 101-104 pdf ... [7.516 KB]
Jahresberichte der BSWR

Letzte Änderung am Donnerstag, 27. April 2017 um 18:08:23 Uhr.

seit dem 3.11.2014

Zugriffe heute: 1 - gesamt: 1443.