Schmetterlinge - Art(en) des Jahres

„Goldene Acht“

Schmetterling des Jahres 2017

Die Rede ist hier von Colias hyale (Linnaeus, 1758), der heutzutage auch oft als Weißklee-Gelbling bezeichnet wird. Er gehört zur Familie der Weißlinge (Pieridae) und muss im westlichen NRW eher als Zuwanderer betrachtet werden.
Die Art wird in unserem Gebiet nicht jedes Jahr gefunden. Weiter südlich bzw. östlich in NRW ist sie zwar kein Massentier, wird von dort jedoch weitaus öfter gemeldet. Auffallend ist, dass die Goldene Acht in Jahren mit extrem warmen Sommern (z. B. 2003) am Niederrhein z. B. recht zahlreich auftrat, in anderen Jahren dafür offenbar fehlte.
Angesichts der momentanen Erwärmung kann man nicht ausschließen, dass Colias hyale auch bei uns (zumindest jahrweise) bodenständig sein kann. Was wir sicher wissen, ist, dass die Art in günstigen Jahren im Mai unsere Region erreicht. Um Ende Juli/Anfang August können hier dann die Nachkommen dieser Ankömmlinge beobachtet werden, die mitunter bis in den Herbst hinein gefunden werden können. Die Falter saugen gern an Kleeblüten und Disteln.
Die Raupen der Goldenen Acht fressen hauptsächlich an Klee-Arten. Weibchen legen die Eier an warm-trockenen Standorten ab, sodass dieser Schmetterling charakteristisch für naturnahe Ackerwirtschaft ist. Aber die gibt es kaum noch. Die Goldene Acht ist nicht extrem gefährdet (im Kerngebiet der Verbreitung fliegt sie in guten Zahlen), doch die moderne Landwirtschaft setzt diesem Schmetterling zweifellos arg zu. Wieder einmal können es unsere Industriebrachen sein, die der Goldenen Acht als neue Heimat dienen könnten!
Der Lebensraum dieser Schmetterlingsart sind offene, besonnte Regionen. Die Falter sind sehr flugstark. Wie die meisten Colias-Arten fliegen sie recht bodennah, wobei ihr Flug sehr schnell ist. Von anderen Weißlingen kann man sie dadurch gut unterscheiden. Auch fallen die dunklen Flügelränder im Flug auf.
Eine weitere Art, Colias alfacariensis (Ribbe, 1905), lässt sich nur im Raupenstadium von hyale unterscheiden. Geographisch kann man alfacariensis für unsere Region jedoch nach derzeitigem Kenntnisstand ausschließen. Die Falter selbst kann nicht einmal der Experte immer sicher unterscheiden.
Da der Rhein und die Ruhr als „Einwanderungsschienen“ für mobile Schmetterlingsarten dienen, sollte man entlang dieser Flüsse generell immer mal auf Wanderfalter achten.

Grundegel: Der Falter fliegt sehr energisch und schnell in Bodennähe und ist weiß mit dunklem Rand: das wird Colias hyale sein. Das 8-ähnliche Muster auf der Unterseite der Hinterflügel verrät sofort die Zugehörigkeit zur Gattung Colias. Man muss kein Experte sein, um Colias-Falter zu erkennen. Für uns hier im Westen von NRW sind es sehr auffällige Falter, weil sie sich sehr von dem unterscheiden, was wir sonst so sehen. Wer einen gewissen Blick für Schmetterlinge hat, wird auf jeden Fall merken, dass da etwas fliegt, was nicht zum Alltag gehört. Meiner Erfahrung nach ist die Monatswende Juli/August die beste Zeit in unserer Region, um Colias hyale zu finden (sofern der Sommer richtig warm ist). Die Falter mögen Hitze. Sie sind auch unterwegs, wenn andere Falter (und Beobachter) lieber im Schatten bleiben.

Ich wünsche uns allen eine schöne Saison mit tollen Funden und Beobachtungen!

Text: Andreas Bäumler

Stachelbeerspanner

Schmetterling des Jahres 2016
Der Stachelbeerspanner (Abraxas grossulariata, Linnaeus, 1758)
Mit einer Flügelspannweite zwischen 3 und 5 cm sowie seiner auffälligen Zeichnung gehört der Stachelbeerspanner zu den auffälligeren Nachtfaltern. In vielen Regionen Deutschlands ist dieser schöne Schmetterling heutzutage selten geworden, wobei Biotopverluste und Pflanzenschutzmittel als Hauptursachen gelten. Andererseits neigt der Stachelbeerspanner von Natur aus aber auch zu starken Häufigkeitsschwankungen.
Die Raupen fressen an einer Vielzahl von Sträuchern und Laubgehölzen wie z. B. Stachel- und Johannisbeere, Hasel, Kirsche, Pfaffenhütchen usw. Die Flugzeit der Falter reicht in 1 Generation pro Jahr von Anfang/Mitte Juni bis in den August hinein. Stachelbeerspanner sind in der Dunkelheit aktiv; tagsüber ruhen sie gut versteckt in der Vegetation.
Der Stachelbeerspanner ist grundsätzlich eher eine Art des kontinentaleren Klimas. Von daher ist dieser Schmetterling hier bei uns im Westen nie wirklich häufig gewesen. Menschliche Eingriffe in die Natur, das Verschwinden naturnaher Gärten und der Einsatz von Agrar-Chemie erschweren die Lage für diesen Schmetterlinge umso mehr.

Text: Andreas Bäumler

Abraxas grossulariata01

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Letzte Änderung am Dienstag, 29. Mai 2018 um 10:27:55 Uhr.

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