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Libellen

Einführung

Crocothemis erythraea

Feuerlibelle

Libellen (Odonata) gehören zu den größten heimischen Insekten. Sie bestechen dabei vor allem durch ihre schönen leuchtenden Farben, welche von Rot, Grün, Gelb, Braun bis hin zu strahlendem Blau reichen. Obwohl sie zwar ihr ganzes Leben lang räuberisch sind und sich von anderen Insekten ernähren, sind sie jedoch im Gegensatz zu der weitläufigen Meinung, völlig harmlos: Libellen stechen nicht!

Der Körperbau der Libellen ist, wie bei allen Insekten, in drei Abschnitte gegliedert, welcher sich in Kopf, Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen) teilt. Ein weiteres typisches Insektenmerkmal bilden zudem die Komplexaugen, welche bei den Libellen aus bis zu 28.000 Einzelaugen (Omatiden) bestehen. Diese hohe Anzahl der Omatiden bedingt ihr ungewöhnlich hohes Sehvermögen. Um dies in Zahlen zu verdeutlichen: Bei uns Menschen reichen 25 Bilder pro Minute aus um einen Film zu sehen, währenddessen Libellen 300 Bilder pro Minute benötigen würden. Ein weiteres Charakteristikum der Libellen ist ihre extreme Flugleistung, welche vor allem durch die unabhängig voneinander bewegbaren Flügelpaare ermöglicht wird. Die typische Farbvariation dient vor allem zum Finden und Erkennen der Partner sowie zur Abschirmung der UV-Strahlen. Besonders auffallend sind vor allem die Männchen, welche mit ihren strahlenden Farben hervorstechen.

Lebensräume der Libellen sind insbesondere Tümpel, Teiche, Flüsse und Bäche. Hier legen sie ihre Eier und hier entwickeln sich ihre Larven.

Allgemein bilden die Libellen mit ihren 4900 rezenten Arten eine eigene Ordnung als Odonata. Diese wird wiederum in drei Unterordnungen gegliedert:

* Zygoptera (Kleinlibellen)
* Anisoptera (Großlibellen)
* Anisozygoptera

In unseren Breiten kommen jedoch lediglich die Groß- und Kleinlibellen vor. Zu unterscheiden sind diese Unterordnungen vor allem an der Flügelanordnung. Zwar lässt auch häufig die Größe auf die Unterordnung schließen, aufgrund von Ausnahmen ist jedoch die Bestimmung über die Flügelanordnung sicherer. Die Kleinlibellen weisen dabei jeweils zwei gleiche Flügelpaare auf, wobei die Vorder- und Hinterflügel nahezu gleich sind. Im Gegensatz dazu zeichnen sich die Großlibellen durch paarig ungleiche Flügelpaare aus. Ein weiterer Unterschied besteht zudem in der Flügelstellung in Ruhe. So sind die Flügel der Großlibellen stets ausgebreitet, währenddessen die der Kleinlibellen meist eingeklappt sind.

Insgesamt wurden in Deutschland 80 verschiedene Arten nachgewiesen, wovon viele auch bei uns im Ruhrgebiet heimisch sind. Im Ganzen wurden von 2003-2006 durch die BSWR 42 verschiedene Arten nachgewiesen, welche im Folgenden einzeln beschrieben werden. Am artenreichsten ist dabei das Waldteichgelände in Oberhausen (vgl. Kilimann & Tomec 2005 als Pdf-Datei sowie Jahresberichte der BSWR). Hier können an sonnigen Tagen bis zu 16, insgesamt rund 30 verschiedene Arten beobachtete werden.

In den letzten Jahren sind auch bei uns eine Reihe wärmeliebender Arten aufgetreten, die sich z. T. sogar bei und fortpflanzen. Sie sind sicher als Indikatoren der Klimaerwärmung anzusehen. Zu dieser Gruppe zählen z. B. die Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombei), Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) oder die Kleine Königslibelle (Anax parthenope)

Libellen sind ausgesprochen wärmeliebend und daher vor allem bei Sonne zu sehen. Für eine erfolgreiche Beobachtung empfiehlt sich ein Fernglas mit einer guten Naheinstellung zu verwenden. (Elisa Michel & Martin Schlüpmann)

Übersicht

Systematische Artenübersicht der
Libellen (Odonata)

Kleinlibellen (Zygoptera)

Lestes sponsa

Gemeine Binsenjungfer

Familie Prachtlibellen (Calopterygidae)
Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) ...hier
Glänzende Prachtlibelle (Calopteryx virgo)
Familie Teichjungfern (Lestidae)
Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) ...hier
Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus) ...hier
Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas) ...hier
Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) ...hier
Kleine Binsenjungfer (Lestes virens) ...hier
Weidenjungfer (Lestes viridis) ...hier
Familie Federlibellen (Platycnemididae)
Blaue Federlibelle (Platycemis pennipes) ...hier
Familie Schlanklibellen (Coenagionidae)
Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) ...hier
Späte Adonislibelle (Ceriagrion tenellum)
Große Pechlibelle (Ischnura elegans) ...hier
Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio) ...hier
Pokal-Azurjungfer (Cercion lindenii) ...hier
Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) ...hier
Becherazurjungfer (Enallagma cyathigerum) ...hier
Großes Granatauge (Erythromma najas) und
Kleines Granatauge (Erythromma viridulum) ...hier

Großlibellen (Anisoptera)

Sympetrum flaveolum

Gefleckte Heidelibelle

Familie Flussjungfern (Gomphidae)
Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus) ... hier
Asiatische-Keiljungfer (Gomphus flavipes) ... hier
Familie Edellibellen (Aeshnidae)
Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis) ... hier
Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) ... hier
Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) ... hier
Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) ... hier
Große Königslibelle (Anax imperator) ... hier
Kleine Königslibelle (Anax parthenope) ... hier
Familie Quelljungfern (Cordulegastridae)
Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentatus) ... hier
Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltoni) ... hier
Familie Falkenlibellen (Corduliidae)
Gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea) ... hier
Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica) ... hier
Familie Segellibellen (Libellulidae)
Vierfleck (Libellula quadrimaculata) ... hier
Plattbauch (Libellula depressa) ... hier
Spitzenfleck (Libellula fulva) ... hier
Großer Blaupfeil (Orthetrum cancelatum) ... hier
Südlicher Blaupfeil (Orthetrum brunneum)
Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens)
Feuerlibelle (Crocothemis erythrae) ... hier
Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae) ... hier
Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum) ... hier
Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii) ... hier
Südliche Heidelibelle (Sympetrum meridionale) ... hier
Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) ... hier
Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) ... hier
Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum) ... hier
Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) ... hier
Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) ... hier

Glossar

Abdomen: Hinterleibssegmente
Abundanz: Häufigkeit/Anzahl der Individuen einer Art
adult: geschlechtsreif/erwachsen
Basalfleck: dreieckige Flecken an der Basis der Flügel
Biotop (der): abiotischer Teil (Boden, Wasser, Luft) des Ökosystems; Lebensraum einer Biozönose (nicht der Lebensraum einer Art!)
Biozönose: Lebensgemeinschaft eines Ökosystems
Bodenständigkeit: erfolgreiche Fortpflanzung einer Art in einem Gewässer. Eine Libellenart gilt als bodenständig, wenn sie sich an einem Gewässer (erfolgreich) fortpflanzt.
Exuvien: Larvenhäute; insbesondere die letzten Häute, die nach dem Schlupf der flugfähigen Tiere zurückbleiben werden auch zur Bestimmung und Ermittlung der "Bodenständigkeit" herangezogen.
Flügelmal (Pterostigma): Flecken am Vorderrand der Flügelspitzen (bei Libellen in Vorder- und Hinterflügel vorhanden).
Habitat: Lebensstätte/Wohnort einer Tierart
Imago (Mehrzahl: Imagines): Geschlechtsreifes/ erwachsenes Insekt
Kopula: Paarung und Samenübertragung (bei Libellen Paarungsrad)
Neozoon (Mehrz. Neozoen): Neueinbürger aus der Tierwelt, welche nach 1500 n. Chr. eingewandert sind
Obeliskenstellung: Spezielle Stellung bei Libellen, bei welcher der Hinterleib Richtung Sonne gestreckt wird, um die Sonneneinstrahlung zu reduzieren
Patrouilleverhalten: Revierverhalten der Männchen; die Männchen fliegen i. d. R. am Ufer der Gewässer entlang (patrouillieren) und verjagen andere Männchen
Pionierart: Erstbesiedler eines Lebensraumes, welcher an wechselnde Umweltbedingungen angepasst ist
Pterostigma: Flügelmal, Flecken am Voderrand der Flügelspitzen (bei Libellen Vorder- und Hinterflügel)
Sukzession: Entwicklung eines Lebensraumes
Tandem: spezielle Form der Eiablage, wobei sich die Männchen von oben an das Weibchen anheftet
Thorax: Brustsegmente
Ubiquist: Lebewesen, welches eine Vielzahl von unterschiedlichsten Lebensräumen besiedelt
Verlandungszone: Zone eines Gewässers, welche in Folge der Sukzession allmählich trockenfällt

Verzeichnis der Libellen von NRW

Interaktive tabellarische Übersicht über die derzeit in NRW bekannten und im System berücksichtigten Arten inklusive alternativer deutscher und wissenschaftlicher Namen. Zudem sind der Rote-Liste Status (RL) für NRW, das Tiefland (TL) und das Bergland (BL) in NRW sowie der für Deutschlands angegeben.
* Quelle s. u.
Nicht berücksichtigte Arten können Sie unter "Sonstige" erfassen und den Namen im Bemerkungsfeld notieren.

Legende zur Roten Liste (RL)
Rote Liste-Status
0 Ausgestorben oder verschollen
1 Vom Aussterben bedroht
2 Stark gefährdet
3 Gefährdet
G Gefährdung unbekannten Ausmaßes (1, 2 oder 3)
R durch extreme Seltenheit potenziell gefährdet
keine Kategorie der Roten Liste:
V Vorwarnliste
D Daten unzureichend
* Ungefährdet
nb nicht bewertet (unbeständiger Neobiot oder Indoor-Neobiot)
Zusatz:
S durch Schutzmaßnahmen gleich, geringer oder nicht mehr gefährdet
– nicht nachgewiesen

Liste der Libellen im Ruhrgebiet
BRG Ballungsraum Ruhrgebiet
x Vorkommen nachgewiesen
(x) randliches Vorkommen

Quellen:
Arbeitskreis Libellen NRW – Conze, K. J. & Grönhagen, N. unter Mitarbeit von Baierl, E.; Barkow, A.; Behle, L.; Menke, N.; Olthoff, M.; Lisges, E.; Lohr, M.; Schlüpmann, M. & Schmidt, E. (2011): Rote Liste und Artenverzeichnis der Libellen – Odonata – in Nordrhein-Westfalen. In: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung. – LANUV-Fachbericht 36, Band 2: 511-534.
Brockhaus, T.; Roland, H.-J.; Benken, T.; Conze, K.-J.; Günther, A.; Leipelt, K. G.; Lohr, M.; Martens, A.; Mauersberger, R.; Ott, J.; Suhling, F.; Weihrauch, F.; Willigalla, C. (Hrsg.) (2015): Atlas der Libellen Deutschlands (Odonata). – Libellula Supplement 14: 1-394.
Ott, J.; Conze, K.-J.; Günther, A.; Lohr, M.; Mauersberger, R.; Roland, H.-J.; Suhling, F. (2015): Rote Liste und Gesamtartenliste der Libellen Deutschlands mit Analyse der Verantwortlichkeit, dritte Fassung, Stand Anfang 2012 (Odonata). Libellula Supplement 14: 395-422.

Fundmeldungen von Libellen...

... bitte an die BSWR .....

30.08.2014 Libellen im Landschaftspark

WAZ 30.08.2014

WAZ-Artikel zu den Libellen im Landschaftspark Duisburg Nord ... hier lesen ...

21.08.2013ff Seltener Besuch aus dem Süden

Sympetrum meridionale Schurenbachhalde

In den letzten Tagen gelangen gleich an drei von uns untersuchten Gewässern Nachweise einer für unsere Region äußerst bemerkenswerten Libellenart. So konnten sowohl auf der Schurenbachhalde in Essen (min. 3 Männchen und 3 Weibchen am 21.8.) als auch an einem Kleingewässern in Norden von Bottrop (min. 3 Männchen am 23.8.) Südliche Heidelibellen (Sympetrum meridionale) beobachtet werden. Zuletzt gelang am 27.8. auch in Duisburg der Nachweis eines Männchens an einem Tümpel in der Nähe des Haubachsees. Bei nachfolgenden Kontrollen von weiteren Libellenkundlern konnten dann bis zu ca. 10 Ind. auf der Schurenbachhalde festgestellt werden. Mehrfach wurden dort auch Eiablagen beobachtet, sodass dieses Gewässer auch im nächsten Jahr zur Schlupfzeit beobachtet werden soll. Die Art wird nur selten nach sommerlichen Einflügen in kleiner Anzahl in NRW beobachtet und wurde im Ruhrgebiet erst wenige Mal festgestellt. Die nächsten bekannten aktuell bodenständigen (= sich reproduzierenden) Vorkommen befinden sich in Hessen und im Südosten der Niederlande. Ob die Tiere von dort stammen oder noch von viel weiter aus dem Süden Europas kann leider nicht beantwortet werden. Dennoch sind alle Libelleninteressierten dazu aufgerufen gerade jetzt verstärkt auf die Art zu achten, da sie leicht zwischen den sehr ähnlich aussehenden heimischen Heidelibellenarten übersehen werden kann. Gute Hinweise zur Bestimmung sind auffällig helle Beine, eine relativ blassrote Abdomenfärbung bei den Männchen, helle und einheitlich braune Thoraxseiten mit geringen schwarzen Zeichnungen. Außerdem wird die Art besonders häufig von roten Wassermilben befallen, die an den Flügel hängen. Sollten sie verdächtige Tiere beobachten, helfen Belegfotos bei der Nachbestimmung, die sie uns gerne zuschicken können.

Ergänzend sei noch erwähnt, dass wir ein einzelnes Tier bereits am 07.09.2008 auf dem Waldteichgelände nachweisen konnten.

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Letzte Änderung am Donnerstag, 2. November 2017 um 08:28:31 Uhr.

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