6 Der Rotbach

Ein wirklich „roter“ Bach?

Rotbach

Gemeint ist nicht das Wasser, sondern der Untergrund, wo man oft rötlichen Raseneisenstein findet. Dieser entsteht im Bereich wechselnder Wasserstände, in dem geladene Eisen-Teilchen gelöst sind. Kommen sie in Kontakt mit dem Sauerstoff der Bodenluft, verrostet der Boden förmlich, wodurch die Rotfärbung hervorgerufen wird. Raseneisenstein ist kein eigentliches Gestein, sondern verfestigter Boden. Der Volksmund nennt ihn „Ort“ (von „Ortstein“).

Ein „Sandgeprägter Tieflandbach“

Rotbach

Der Rotbach gehört zu den „Sandgeprägten Tieflandbächen“. Diese besitzen einen stark gewundenen (mäandrierenden) Verlauf. Der Bach selbst ist flach, hat jedoch an einzelnen Stellen Vertiefungen, besonders dort, wo Totholz das Wasser aufstaut. Solche verbreiterten Tiefenstellen nennt man Kolke. Neben dem Sand, der hauptsächlich den Untergrund des Baches bildet, finden sich Kiese, auch als Kiesbänke verschiedener Größe.

Gewässergüte und Gewässerstruktur

Rotbach

Im Hiesfelder Wald wurde der Rotbach als „mäßig belastet“ eingestuft. Diese Gewässergütekategorie sagt aus, dass Gewässerabschnitte mit mäßiger Verunreinigung und guter Sauerstoffversorgung, sehr großer Artenvielfalt und Individuenzahl von Algen, Schnecken, Kleinkrebsen und Insektenlarven vorhanden sind. Eine andere Bewertungsskala ist die Gewässerstrukturgüte. Sie sagt über die Strukturen eines Fließgewässers aus, welchen Natürlichkeitsgrad das Gewässer aufweist. Der Rotbach wurde mit der besten Stufe (I: „Unveränderte Gewässerabschnitte“) belegt.

Tiere des Rotbachs

Wegen der hohen Lebensraumqualität finden sich einige bemerkenswerte Tierarten. Unter den Fischen zu nennen sind das Bachneunauge und die Schmerle. Auf dem Bachgrund leben Larven der Eintags-, Stein- und Köcherfliegen. In den steilen Uferwänden legt der Eisvogel seine Brutröhren an. Ein weiterer bemerkenswerter Vogel des Bachufers ist die Gebirgsstelze.

Rücksichtnahme erforderlich

Rotbach

Der hohe Grad an Naturnähe bedeutet zugleich, dass dieser Lebensraum empfindlich ist. Um die Ungestörtheit und die seltenen Lebensgemeinschaften zu bewahren, muss jedem/jeder Spaziergänger/in klar sein, dass der Bach nicht betreten oder befahren werden darf. Das gilt auch für die Ufer. Ein Tritt zu nahe heran und die Uferböschungen können abbrechen – und mit ihnen die Kinderstube der Eisvögel!

Ein „Sandgeprägter Tieflandbach“
Für sandgeprägte Bäche des Tieflandes hat Totholz und Falllaub im Wasser als Substrat für Tiere eine große Bedeutung (Foto: BSWR).
Typische Riffelmarken, als Folge der Sandumlagerung auf dem Sandgrund des Rotbaches (Foto: BSWR).

Tiere des Rotbachs
Flohkrebse (Foto: Bach-Kolster)
Steinfliege (Foto: Bach-Kolster)
Links: Eintagsfliegenlarve (Foto: Bach-Kolster); rechts: Eintagsfliege (Foto: N. Kilimann)
Quelljungfer (Foto: N. Kilimann)
Köcherfliegenlarve in ihrem selbstgebauten Gehäuse (Foto: Bach-Kolster)
Eisvogel (N. Kilimann)

Rücksichtnahme erforderlich
Zertrampeltes Ufer des Rotbaches (Foto: Bach-Kolster)

Letzte Änderung am Freitag, 6. September 2019 um 13:34:35 Uhr.

seit dem 11.12.2014

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