3 Geschichte

Der Hiesfelder Wald ist der Rest eines ehemals weiten Waldgebietes, das die Landschaft zwischen Lippe und Ruhr prägte. Seit dem Mittelalter war er Teil der ausgedehnten Walsumer Mark. Diese war ein genossenschaftlich bewirtschaftetes Gebiet, wobei die „Markgenossen“ (die Nutzungsberechtigten) in Abhängigkeit von der Größe ihrer Betriebe mehr oder weniger umfangreich beteiligt waren. Markgenossen waren die Landesherren, die Adelshäuser und Klöster des Umlandes sowie die Siedlungen in der Mark.

Die Markenordnung – Rechte und Pflichten

Das Nutzungsrecht umfasste das Sammeln von Bau- und Brennholz, das Treiben der Schweine zur Reifezeit von Eicheln und Bucheckern in den Wald (Mast), die Verwendung als Viehweide (Hude) und zum Plaggenstich. Das Jagdrecht fiel an Haus Gartrop an der Lippe. Privileg des Landesherrn blieb der Fang von Wildpferden im Hiesfelder Wald, der 1295 erwähnt wird. Zu den Regeln der so genannten Markenordnung zählten auch Pflichten: Vor allem das „Potten der Heister“ (also Jungpflanzungen), das Ausbessern der Wege, die Teilnahme an Wolfsjagden und anderes mehr.

Niedergang der geregelten Waldwirtschaft

Hudewald

Im 17. Jahrhundert begann der Niedergang der alten Waldnutzung. Ohne geregelte Umtriebszeit und Schlageinteilung wurde Niederwaldwirtschaft betrieben, also die Bäume immer wieder und ohne Rücksicht auf den Gesamtbestand geschlagen, noch bevor der Bestand sich erholt hatte. Diese ständige Holzentnahme, die Nutzung als Viehhude, der Plaggenstich und eine geringe Köhlerei (Verarbeitung von Holz zu Holzkohle) führten zum Verkümmern (Degradieren) von Teilen des Waldes.

Spuren des Krieges – und Schutzbestrebungen

Bombentrichter

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Hiesfelder Wald zu einem umfangreichen Munitionslager hergerichtet. Zahlreiche Wälle und Mulden der Lagerplätze zeugen noch davon. Bombensplitter beschädigten etliche Stämme. Nach dem Krieg wurden viele Bäume im Rahmen der Reparationsleistungen für die Alliierten geschlagen. Aber die vielfältige Bedeutung des Waldes wurde allmählich erkannt und die öffentliche Wertschätzung stieg. 1957 erfolgte die Ausweisung als Naturschutzgebiet. Die Einstufung als FFH-Gebiet durch die Europäische Union zeichnet das Gebiet als besonders wertvoll auch auf der europäischen Ebene aus.

Ableitung des Namens „Hiesfeld"

„Hies-“: vermutlich von „Heister“ = junger Baum
„-feld“: eine höher gelegene, baumarme Fläche; nicht - wie im heutigen Verständnis - (unbedingt) ein Acker

Weiterführende Informationen

Pdf-Datei
Kurzer Text zur Geschichte des Hiesfelder Waldes von Karl Lange
Historischer Text zum Zustand des Hiesfelder Waldes von 1781; übertragen und erläutert von Karl Lange

Die Markenordnung – Rechte und Pflichten
Wildpferde waren im Mittelalter im Hiesfelder Wald heimisch (Foto: H. Kruckenberg)
Waldweide war im Mittelalter weit verbreitet (Foto: J. Borris)

Niedergang der geregelten Waldwirtschaft
Niederwald, eine Waldnutzungsform bei der der Gehölzbestand regelmäßig eingeschlagen wurde; rechts Buschstadium (Fotos: F. Herhaus, Biol. Stat. Oberberg)

Waldverwüstung und Neuanfang
Heidefläche, hier ein Bild aus der Kirchhellener Heide (Foto: H. Bach-Kolster)

Spuren des Krieges – und schließlich Schutzbestrebungen
Fotos: Abplaggen der Baumscheiben für die Heister (Fotos links und Mitte); Pflanzen der Heister im März 1955 mit Lehrer Karl Lange (rechts)

Letzte Änderung am Freitag, 6. September 2019 um 13:34:29 Uhr.

seit dem 11.12.2013

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