2 "Lebendiges" Totholz

Totholz

Zum Leben gehört der Tod. Jedes Lebewesen trifft dieses Schicksal früher oder später – auch die Bäume des Waldes. Was dann übrig bleibt, ist Totholz. Unter diesen Begriff fällt alles abgestorbene Holz: Stehende Stämme, die langsam zusammenbrechen oder erst später umfallen, auch Baumstümpfe. Dazu gehört auch alles liegende, vom Menschen nicht genutzte Holz: Vom kleinsten Stück eines Zweiges bin hin zu umgefallenen Baumriesen.

Artenvielfalt)

Etwa 600 Großpilzarten und rund 1350 Käferarten sind an der vollständigen Entsorgung eines Holzkörpers beteiligt. Jeder Totholztyp ist mit seiner eigenen Tier-, Pflanzen- und Pilzwelt ausgestattet. Eigene Lebensgemeinschaften findet man in allen Teilen: der Rinde, im Holz, im Mulm, in Baumhöhlen, Brandstellen usw.

Viele Tiere, Pilze und Pflanzen, die auf Totholz angewiesen sind, stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Einige Pilze, Flechten, Moose, Farne und viele Insekten- und Kerbtierarten, wie z. B. Ameisen, Hautflügler und Schmetterlinge finden hier ihre ökologische Nische. Der überwiegende Teil unserer einzeln lebenden Wespen- und Bienenarten ist auf Alt- und Totholz angewiesen.

Holzabbau

Der Holzabbau – Phase I: Besiedlung

- Holz wird von außen her besiedelt: Außen dran wachsen Moose und Flechten

- Pionierarten dringen ins Holz vor: vor allem Holzwespen sowie Käferfamilien wie die Borken-, Bock-, Werft-, Nage- und Prachtkäfer.

- Größere Tiere profitieren von diesen Insekten: Nahrungsquelle und Bruthöhlen (Spechte, in ihre Höhlen als „Nachmieter“: Hohltaube, Waldkauz, Fledermäuse und Eichhörnchen.

- Liegendes Totholz: Tagesversteck und Winterquartier für Lurche und Kriechtiere. Auch Schnecken, Asseln, Hundert- und Tausendfüßler, Spinnen, Mäuse und Spitzmäuse verstecken sich hier.

Der Holzabbau – Phase II: Zersetzung

- Die Rinde löst sich ab, Zweige und Äste fallen ab

- Holzabbau wird nun durch Pilze und Bakterien vorangetrieben.

- Insekten und Gliedertiere nutzen vorhandene Bohrgänge oder bereits teilabgebautes Holz

- oder ernähren sich von Pilzen

- oder als Räuber von den primären Holzabbauern.

- Viele Fliegen- und Mückenarten und wiederum Käfer, welche die vornehmliche Rolle spielen, vor allem Feuer-, Schwarz- und Schnellkäfer.

- Ameisen nutzen vorhandene Gänge und bauen sie aus.

Schmale Tramete

Der Holzabbau – Phase III: Humifizierung

- aus dem Holz wird Boden

- Bodensubstrat (Humus) besteht im Wesentlichen aus dem Kot der bisherigen Besiedler.

- Milben, Fliegenlarven, Springschwänze leben im Holzmulm

- während die eigentlichen Bodentiere wie Regen- und Fadenwürmer aus dem Boden eindringen.

- Eigentliche Umwandler sind Pilze und Bakterien, die feste Pflanzenstoffe wie Lignin und Cellulose abbauen,

- während sich die Tiere meist von den Umwandlern ernähren

Totholz
Totholz im Hiesfelder Wald (Fotos BSWR)

Artenvielfalt
Foto: BSWR

Holzabbau
Holzwespe (Foto: Bach-Kolster)
Die Gänge des Buchdruckers unter der Rinde bilden typische Muster (Foto: Bach-Kolster)
Prachtkäfer (Foto: Bach-Kolster)
Bockkäfer (Foto: Bach-Kolster)
Schnepfenfliege (Foto: Bach-Kolster)
Prachtkäfer (Foto: Bach-Kolster)
Kammschnake (Foto: Bach-Kolster)
Hirschkäfer (Foto: Bach-Kolster)

- Liegendes Totholz: Tagesversteck und ....
Assel (Foto: Bach-Kolster)
Hundertfüßler (Foto: Bach-Kolster)

Der Holzabbau – Phase II: Zersetzung
Stamm mit Höhlungen und Insekten-Bohrlöchern (Foto: Bach-Kolster)
Hallimasch (Foto: H. Bahne)

Letzte Änderung am Freitag, 6. September 2019 um 13:34:28 Uhr.

seit dem 11.12.2014

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